Toninho Dingl – ein Porträt

Schluss machen mit Druck und KonventionenKunst entsteht mit offenen Augen und Humor

„Toninho Dingl, aufstrebendes Fußballtalent, klassischer Spieler mit viel Ehrgeiz und Freude am Spiel – von diesem jungen Mann werden wir beim FC Bayern München noch viel hören und sehen.“ So oder so ähnlich sprach man im Jahr 2003 über den damals 15 Jahre alten Toninho Dingl. Er war begabt und hatte die Möglichkeit beim deutschen Rekordmeister durchzustarten. Glücklich war er aber nicht. Er beendete seinen Weg bei den Bayern, machte seinen Schulabschluss und begann ein Studium der „Geographie“ in Salzburg. Man könnte meinen, dass die Geschichte nun auch zu Ende erzählt ist. Das ist so aber nicht korrekt. Sie beginnt an dieser Stelle erst.

Der Weg zur Kunst

Toninho Dingl hat nicht nur ein fußballerisches Talent. Bereits in früher Kindheit erhielt er Zeichenunterricht. Aufgrund anderer Interessen legte er Stift und Pinsel zur Seite und ließ alles einige Jahre ruhen. Mitten im Studium entdeckte er seine Liebe für Design, Grafik und Malerei wieder. Neben verschiedenen grafischen Arbeiten erstellte er ein Bild seiner heimatlichen Freizeit-Fußballmannschaft und inszenierte gekonnt deren ewigen Abstiegskampf als ein geradezu epochales Drama. Das Interesse und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit war geweckt, er verkaufte erste Werke. Sogar eine Ausstellung in Altötting und nachfolgend beim ORF in Salzburg dürfte er gestalten. Besondere Bekanntheit erlangte sein Werk „Copa Mundial“ – ein Gemälde von einem Fußballschuh der Marke Adidas, mit welchem er seine Leidenschaft zum Sport darstellt.

Er beendete erfolgreich sein Studium der Geographie, aber zum Einsatz ist es bis heute nicht gekommen. Stattdessen hat Toninho seine Liebe zur Kunst mehr und mehr in Werke umgesetzt. Auf Anraten von Prof. Franz Ackermann, seines Zeichens bekannter, deutscher Maler (dessen Werke bereits im Museum of Modern Art/ New York zu finden sind), begann er ein Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe. Hier vertiefte er zum einen seine technischen Fachkenntnisse über Bildende Künste und sein Wissen zur Kunstgeschichte. Zum anderen setze er sich erstmals aktiv mit dem Thema Kunst auseinander. Was zuvor vollkommen chaotisch und unkanalisiert in seinem Kopf vorhanden war, bekam nun einen Weg aufgezeigt um sichtbar zu werden. 

Das Leben in Altötting

Inzwischen ist aus dem vielfältig talentierten Jugendlichen ein etablierter Künstler geworden. Toninho Dingl lebt in Altötting, ist seit 2019 Vater und lebt mit seiner Familie von seinen Werken. Neben Gemälden beschäftigt er sich mit aufsehenerregenden Installationen. Inspiriert von der Einfachheit des Alltags, kombiniert er seine Phantasie und seine Kindheitserinnerungen mit trivialen Dingen. In traditionellen Motiven platziert er demonstrativ zeit- und sozialkritische Inhalte. Imposante Szenerien werden gespickt mit simplen Protagonisten. Die auf den ersten Blick unstimmigen Komponenten bewegen den Betrachter dazu, sich intensiv mit schwierigen Themen zu beschäftigen und auseinander zu setzen.  In seinem Atelier im Zentrum von Altötting setzt er sein Schaffen in Szene. An einem Ort, an dem es sonst nichts gibt außer einem Metzger und einer Hornbach-Filiale, stellt sein Atelier einen exotischen Ort dar. Seine erzkatholische Heimat in Oberbayern ist geprägt von Traditionen und althergebrachten Wertevorstellungen. Diese Konventionen sprengt er bewusst, stellt sich und sein Wirken dar und erntet dabei alles von einem Kopfschütteln bis zum begeisterten Zuschauer. Wo es mit seiner Kunst hingehen soll, weiß Toninho heute noch nicht. Seine Ideen entwickeln sich aus Spontanität und Lebensfreude. Außergewöhnliche, handwerkliche Fähigkeiten werden ergänzt durch starke Motive und den bewusst gesuchten Konflikt.

Auch wenn die Erfolgsgeschichte als Fußballprofi tatsächlich schon lang abgepfiffen wurde, sind wir mit der Geschichte des Künstlers Toninho gerade erst beim Aufwärmen vor dem Anpfiff. 

   
 

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